1166: Die erste Erwähnung von "villa Aldendorpe"

Karl der Große sorgte 780 für die finanzielle Ausstattung der neu eingerichteten Diözesen der Kirche, bei der alle Einwohner der Kölner Diözese eine Kirchensteuer, die sog. Decimae oder Zehnten, an den Erzbischof in Köln zu entrichten hatten. Das Kölner Stift St. Maria ad gradus wurde vom Kölner Erzbischof Hermann II.(EB 1036-1056) geplant und dotiert. Offiziell gegründet wurde es am 29.07.1075 vom nachfolgenden Erzbischof Anno II. (EB 1056-1075). Stifteten Erzbischöfe neue Klöster und Kirchen, gaben sie diesen oft einen Teil des ihnen zustehenden Zehnts, um Gebäude zu errichten und zu unterhalten. So geschah es auch mit dem Zehnten des Kirchspiels von Niederwenigern als Teil des Zehnt aus Westfalen: Anno übertrug der neuen Kirche verschiedene Einkünfte und Güter, worunter auch der Zehnte in Westfalen war.

Irgendwann in seiner Amtszeit zwischen 1145 und 1151 gewährte Erzbischof Arnold I. den Einwohnern von Weningeren (Niederwenigern), Dalehusen (Dahlhausen), Oiberghe (Eiberg) und Mikelenbeke (Meklenbeck) ein Privileg wegen ihres Zehnten an Maria ad gradus. Später entspann sich ein Streit zwischen dem Stift und den Einwohnern, den Erzbischof Rainald von Dassel am 19.02.1166 entschied. Die Leute aus den genannten Orten stützten sich auf das alte Privileg Erzbischof Arnolds, demzufolge sie vier Talente in Dortmunder Währung für Getreide und ½ Talent für den Kleinzehnt an das Stift zahlen sollen, während die Kanoniker dieses Privileg nicht anerkennen und es für Hinterlist erklären. Der Erzbischof legte fest, dass die Bewohner mit dem Zehnten zu villa Aldendorpe (Altendorf) an das Stift fünf Talente in Dortmunder Währung als Getreideabgabe und darüber hinaus den Kleinzehnt zu entrichten hatten. In dieser Urkunde wird erstmals Altendorf genannt, wobei die Interpretation der Altendorf betreffenden Textstelle Probleme aufwirft und nicht eindeutig ist. Möglichweise handelte es sich bei villa um eine Villikation. Ein Gebäude, gar eine Burg, oder Personen der Dörfer werden in der Urkunde nicht erwähnt.

Oftmals wurde der Zehnt von den Kirchen und Klöstern als Lehen vergeben bzw. gegen eine regelmäßige Zahlung verpachtet. Im Fall von Niederwenigern wurde er von der Familie von Altendorf, spätestens seit um 1300, gepachtet und kam später an die Familie Vittinghoff-Schell. Die erhaltenen Unterlagen belegen die Abgaben, die die Familien von Altendorf und Vittinghoff-Schell im Zusammenhang mit dem gepachteten Zehnten zu leisten hatten, wobei sich auf das Privileg von 1166 bezogen wird. Die ersten Nennungen gehen ins Jahr 1440 zurück und spätestens seit dieser Zeit war der Zehnt im Besitz der Familie Vittinghoff-Schell. Die Dokumente reichen bis in das Jahr 1740 – so lange hatten die Einwohner ihre Leistungen an Altendorf / Vittinghoff-Schell zu erbringen, die wiederum eine festgelegte Pachtsumme an das Kölner Stift zahlten. Möglicherweise bestand die Abgabepflicht auch bis zur französischen Besetzung des Rheinlandes 1794 und der damit einhergehenden Auflösung von Stiften und Klöstern. Die Kirche Maria ad gradus selbst wurde nicht mehr benötigt und 1817 abgerissen. Und so kann man heute leider nicht mehr sehen, wofür der Kirchenzehnt gezahlt wurde, aber jeder, der den Kölner Dom besucht, kann das Grabmal von Erzbischof Rainald von Dassel - des Streitschlichters von 1166 – besichtigen.

 

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Petra Meuwsen, villa Aldendorpe 1166 - Kurzfassung, Januar 2019

1166 Aldendorpe - Geschichte.pdf
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